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Hilfe! Ich bin zu dick! Doch, was ist meine Geschichte dahinter?

Ein sehr persönlicher Blogbeitrag.

Vor sich selbst zugeben zu müssen, dass man zu dick ist, ist schlimm. Zumindest für mich. Ich bin übergewichtig! Nicht nur ein bisschen, sondern laut BMI schon im roten Bereich, sprich Adipositas. Ist für jeden, der mich sieht, ersichtlich. Doch, woran liegt das? Primär ganz klar am Essen! Ich bin eine typische Frustfresserin. Aber es gibt noch mehr Ursachen, aus meiner Vergangenheit, die ich euch erzählen möchte, falls es interessiert.

Gestörtes Essverhalten

Mein Essverhalten ist seit meiner Jugend gestört. Dort hat es sich eingebürgert, dass ich bei Stress oder Unwohlsein esse, besser gesagt, fresse. Und Stress habe ich ständig. Ich hab drei kleine Kinder! Es liegt bei mir nicht an mangelnder Bewegung, davon habe ich ausreichend, sondern primär am Essen. Natürlich gibt es noch andere Umstände die mein Gewicht ungünstig beeinflussen, was da wäre meine Schilddrüsenunterfunktion und meine zwei Kaiserschnitte. Wieso Kaiserschnitte? Bei mir war es so, dass ich nach der Spontangeburt ruck zuck 10 Kilo runter hatte und auch das Bauchfett sehr schnell weniger wurde, dagegen bei den Kaiserschnitten sich so gut wie gar nichts selbstständig zurückgebildet hat. Meine letzte Geburt war leider wieder ein Kaiserschnitt.

In meiner Kindheit war ich normal gewichtig, zwar schon immer muskulös, da ich viel Sport trieb: Fußball, Abfahrtsski, Langlauf, Fahrradfahren, aber laut BMI komplett in der Norm. Während meiner Teenagerzeit gab es dann familiär enorme Probleme und ich entdeckte Schokolade für mich, als Stresskiller. Ich war so sehr abhängig davon, dass ich sogar bei den Nachbarn in den Keller ging und Backblockschokolade klaute, weil meine Eltern keine mehr kauften, da sie nicht wollten, dass ich zu dick werde. Meine Mutter war schon immer sehr bedacht auf gesunde Ernährung: Zucker war böse. Leider wurde ich erwischt und ab da hatte ich bei den Nachbarn Hausverbot. War mir das peinlich! Aber meine Probleme waren dadurch nicht beseitigt. Im Gegenteil, es wurde immer schlimmer.

Ungesunde Lebensweise

Als junge Erwachsene, nach der Ausbildung und in erster richtiger Anstellung, war ich Kettenraucherin, auch mit aus dem Grund da ich hörte, es würde bei der Gewichtsabnahme helfen und mein damaliger Schwarm war auch Raucher, und ich arbeitete viel, sehr viel. Oft 7 bis 10 Tage, manchmal auch 14 Tage, am Stück, ständig unterbesetzt da Personalmangel und danach nur ein paar Tage frei. Das war dazumal normal. Ich machte zeitweise viel Nachtschicht, bekam aber verhältnismäßig wenig Gehalt. Private Pflegeheime, das sind die Schlimmsten in Deutschland! Demzufolge hatte ich ständig Geldprobleme. Das Geld das ich hatte, wurde in Zigaretten, Auto, Wohnung, fürs Feiern und Benzin aufgebraucht. Es gab Zeiten, da musste ich jede Woche ein bis zweimal volltanken und ungefähr 300 Euro im Monat für Zigaretten. Geld für Lebensmittel war also nicht mehr viel vorhanden! Und daran sparte ich auch. In meinem Kühlschrank befand sich meistens nur Joghurt und ich kaufte mir diese Tütenfertigsuppen, zudem viel Kaffee und Red Bull. Ab und an mal Brot und Cornflakes. Unterwegs, wenn Geld übrig war, Döner oder auch McDonald’s. Um mein Leben finanzieren zu können, besorgte ich mir eine Kreditkarte, was ich jedoch nie zeitnah zurückzahlen konnte, folglich verschuldete ich mich immer höher. Auch, weil ich ab und an ein neues Auto benötigte… Gesund und toll war anders! Ich nahm während der Zeit, innerhalb kürzester Zeit, enorm viel ab. Ich denke, es lag auch mit an den Medikamenten…

Medikamentenmissbrauch

Ich hatte während der Zeit vom Arbeiten gefühlt ständig Rückenschmerzen, ging dem aber nie nach und schluckte Schmerzmittel und mit der Zeit immer Stärkere, weil „die Normalen“ nicht mehr wirkten. Außerdem benebelten die starken Schmerzmittel etwas und das war mir sehr recht! Ich kam durch meinen Beruf ja leicht an Medikamente… zudem stand meine Schilddrüsenunterfunktion schon im Raum, die Symptome waren da und auch meine Mutter sprach mich mehrmals darauf an, weil sie ebenfalls daran leidet und sich dadurch damit auskennt. Da ich jedoch keine Zeit und Lust hatte zum Arzt zu gehen, versuchte ich mich selbst zu therapieren. Wie gesagt, ich hatte Medikamente zur Verfügung und auch das Wissen, welches Medikament ich ungefähr nehmen muss. Nur die Dosis wusste ich natürlich nicht, da dafür ein Bluttest notwendig gewesen wäre und so nahm ich wohl über einen längeren Zeitraum zu viel ein. Was ich an den Nebenwirkungen merkte: Herzrasen, Zittern, Durchfall, Erbrechen… Zu all dem Wahnsinn experimentierte ich hin und wieder auch noch mit Abführmittel. Es soll ja gut sein, wenn man ab und an den Darm reinigt. Ja nee, is klar…

All das hat zusammen dafür gesorgt, dass ich viel Gewicht verlor und ich hatte zum ersten Mal seit langer Zeit so wenig Gewicht, dass ich mich im Spiegel ansah und zu mir sagte: „Du siehst geil aus!“ Wenn ich jedoch jemand erzählt hätte, wie es dazu kam, hätte man mich vermutlich einweisen lassen. Stattdessen freute ich mich darüber, wenn mich jemand lobte, dass ich abgenommen hatte und gut aussähe.

Meine Oma erzählte mir dann auch noch, dass sie und mein inzwischen verstorbener Opa, sich öfter Gedanken darum gemacht hätten, was aus mir wohl werden soll, da ich so dick geworden sei. Sie freute sich, dass ich endlich dünn und somit auch wieder sportlicher bin. Sprich, ansehnlicher. In mir zog sich alles zusammen. Trotz allen anscheinend tollen Äußerlichkeiten, war ich ein innerliches Frack. Was sich auch an einigen Bildern von dazumal abzeichnet. Ich war musik- und gesellschaftstechnisch zeitweise eher dem Düsteren zugeneigt. Passte zu meinem inneren Empfinden.

Reißleine

Ich zog dann selbst die Reißleine und kündigte bei dem Arbeitgeber. Davor gab es noch ordentlich Streit mit der Chefin, weil ich mehr Gehalt wollte, sie aber hatte tausend Ausreden hatte, warum das nicht geht und es wurde folgend ziemlich persönlich und sie machte mich für Dinge verantwortlich, die gar nicht unter meiner Verantwortung standen. Weiberhaufen! Seitdem habe ich eine Aversion gegen reine Frauenteams. Ach ja, meine direkte Vorgesetzte (PDL) war schwere Alkoholikerin, das wussten zwar alle hinter vorgehaltener Hand, aber keiner hat was dagegen gesagt oder getan. Sie hat sich den Arsch aufgerissen ohne Ende und übertrug ihren Übereifer auf ihre Mitarbeiter. Nichts war gut genug und das war der Chefin im Grunde wohl recht. Solange das Ergebnis stimmt, sprich der Rubel rollt, ist egal, was mit den Mitarbeitern ist! Daher hatte sie wohl auch kein Rückgrat, um für mich bei der Chefin einzustehen, denn dafür hätte sie sich selbst belasten müssen.

Sie kündigte ebenfalls und rief mich ein paar Monate danach privat an, entschuldigte sich bei mir für ihr Verhalten mir gegenüber und meinte ich war ihre beste, flexibelste und gewissenhafteste Mitarbeiterin. Ich bedankte mich und legte auf, obwohl ich ihr am Liebsten an den Kopf geworfen hätte, dass sie bis dahin meine schlechteste Vorgesetzte war. Aber, was hätte das gebracht? Nichts! Sie hat in ihrem Leben selbst genügend Scheiße erlebt… Ihr Sohn ist ein paar Jahre zuvor ums Leben gekommen und ihre Ehe ging in die Brüche, so wurde es erzählt. Das war wahrscheinlich die Ursache für den Alkoholismus, wie wir untereinander im Team spekulierten.

Neue Arbeitsstelle

Feierabendselfie Sommer 2010

Während dieser Zeit lernte ich meinen Mann kennen. Ich war wieder gefasst, hatte mein Leben im Griff und mein Gewicht war noch in der Norm, wenn auch nur ganz knapp. Manchmal frage ich mich, wie es mit meinem Mann gelaufen wäre, wenn wir uns mit meinem jetzigen Gewicht kennen gelernt hätten. In seiner Familie sind alle sehr dünn. Der wenn und der hätte.

Unsere kleine Familie im Jahre 2014

Wäre ich gerne dünn? Ja klar!

Aktuell

Endlich keine Probleme mehr beim Kleidungskauf. Wirklich das kaufen, was einem gefällt, ohne zu meinen irgendwelche Speckröllchen kaschieren zu müssen, ohne auszusehen wie ein Presswurst wenn zu klein gekauft oder als hätte man einen Sack an, wenn zu groß gekauft.
Am Liebsten hätte ich immer gerne weite Kleidung an! Leider macht da mein Mann nicht mit. Er meinte, dann sähe er nichts mehr von meiner Figur… Ich habe das „Problem“, dass Schultern und Hüfte gleich breit sind und ich fast keine Oberweite habe und der Bauch ziemlich „gwampert“ ist. Bauch und Brust ist quasi eine Linie und bei zu weiter Kleidung sieht man nicht mehr, dass ich eine Frau bin… Das gefällt dem Manne natürlich nicht! Er hat ja eine Frau geheiratet und keinen Mann… 😉

Ich arrangiere mich mit mir

Aber da ich weiß, was ich alles in Kauf genommen habe, um dünn zu sein und was das mit mit und meiner Psyche gemacht hat, bleibe ich lieber so wie ich bin und arrangiere mich, so gut es geht, mit meinem derzeitigen Gewicht. Vielleicht wird es besser, wenn die Kinder älter sind, ich mehr Zeit für mich alleine und nicht mehr so viel Stress habe. Andererseits hört man immer wieder von Eltern älterer Kinder, dass der Stress nicht weniger wird. Ganz im Gegenteil, es wird wohl immer schlimmer. Na, Prost Mahlzeit!

Ach ja, meine Schilddrüsenunterfunktion ist seit gut sechs Jahren behandelt, ich muss jeden Tag Hormone schlucken, trotzdem trägt es dazu bei, dass ich wohl schwerer abnehmen kann, als andere. Liest man so zumindest in Fachliteratur. Ich rauche nicht mehr und fange es auch hoffentlich nie wieder an! Kostet ohnehin viel zu viel Geld und ist zudem noch ungesund. Und meine Theorie, dass man nach einem Kaiserschnitt schlechter abnimmt, ist zwar nicht bestätigt, aber ich kann es mir nicht anders erklären. Hörte ähnliches auch schon von anderen Frauen. Nach meiner zweiten Geburt, was eine Spontangeburt war, nahm ich innerhalb kürzester Zeit über 10 Kilo ab und war kurz vor meinem Normalgewicht. Leider konnte ich es nicht lange halten, aber ich bemühte mich relativ erfolgreich, durch Sporteinlagen, dem wieder näher zu kommen. Ungeplanterweise wurde ich dann jedoch wieder relativ schnell schwanger und damit kam die Müdigkeit und die Antriebslosigkeit und vorbei war es mit meinen sportlichen Ambitionen.

Und so sitze ich hier und überlege, was ich alles anstellen kann und muss, um wenigstens so viel Gewicht zu verlieren, sodass ich mich in meinem eigenen Körper wieder einigermaßen wohl fühle. 10 Kilogramm weniger wären mein derzeitiges Ziel. Ein paar Dinge wurden schon in Angriff genommen, wie etwa, dass ich mir ein neues Rad besorgt habe (siehe letzter Blogbeitrag). Zudem kommt jetzt der Frühling und damit auch wieder meine neuen Lebensgeister. Der Winter ist bei immer recht melancholisch und antriebslos. Sobald alles beginnt zu blühen und sie Sonne ihre Kraft neu entdeckt, fühle ich mich wieder vitaler. Außerdem sind die Kinder nun auch wieder älter und somit selbstständiger. Was mir etwas Luft lässt- hoffentlich.

Ende

Was will ich mit meiner Geschichte sagen? Es gibt zu allem eine Geschichte! Man kann sagen: „Boah, ist die fett! Die sollte mal weniger essen und Sport treiben!“ Oder vielleicht mal nachforschen, warum die Person dick ist. Wenn man dazu keine Lust hat, einfach den Mund halten! Lieber vor der eigenen Haustüre kehren, da ist wahrscheinlich genügend Dreck vorhanden, wenn man richtig hinsieht.

Andersherum gibt es das übrigens auch. Es gibt Menschen die sind zu dünn, viel zu dünn und haben damit enorme Probleme. Aber darauf möchte ich jetzt gar nicht näher eingehen, da dies viele Ursachen haben kann und nicht mein Spezialgebiet ist. Eh klar.

Natürlich war früher nicht alles scheiße und es gibt auch ein paar nette und humorvolle Bilder… 😉 Alle in etwa aus den Jahren 2008/2009

Vielleicht schaffe ich es ja irgendwann wieder auf das Gewicht, wer weiß… Aber irgendwie habe ich da keine Hoffnung mehr… 😜