Wie das Smartphone uns die Zeit stiehlt.

Zur Zeit bin ich einfach nur noch dauermüde. Es sind Ferien, alle drei Kinder ganztags zu Hause und nein, ich habe niemand, dem ich die Kinder regelmäßig zur Betreuung geben könnte. Klar, professionelle Ferienbetreuung wäre eine Option, aber erstens würden den Kindern die Ferien genommen werden und zweitens ist es einfach nur sauteuer. Freie Zeit im Sinne von Freizeit, also frei verfügbare Zeit, in der ich tun und lassen kann, was ich will, ist ohnehin seit Jahren schon aus meinem Leben verschwunden. Ich versuche mir neben den Kinder Zeiten für mich herauszuschinden, in denen ich das tue, was mir Spaß macht.

Immer öfter verdaddel ich meine Zeit jedoch sinnlos vor dem Smartphone. Es ist in der letzten Zeit zu viel geworden, daher entschloss ich mich, einige Apps vorläufig zu löschen. WhatsApp und Instagram sind dem nun zum Opfer gefallen, diese taten am wenigsten weh. Es war also kein großes Opfer für mich. Facebook und Twitter nutze ich noch, wobei Letzteres fast ständig in Nutzung ist.

Und so vergehen die Minuten, die Stunden, die Tage. Ständig das Smartphone in der Hand um auf eine Nachricht zu antworten, oder die News zu lesen. Ich bin politisch, wissenschaftlich und ökonomisch sehr interessiert, aber ich komme der Flut an Informationen kaum hinterher. Es ist zuviel! Es gibt immer noch eine Sichtweise, einen weiteren Gesichtspunkt, eine Gegenmeinung und schlussendlich weiß man doch nicht, was man davon halten soll. Gute Argumentationen gibt es viele, aber welche entsprechen der Richtigkeit? Gibt es bei gewissen Fragen überhaupt richtig oder falsch? Ab und an komme ich zu dem Entschluss: Nein. Vieles ist auf menschliches Versagen zurückzuführen, aber niemand kann und darf von sich behaupten, dass er in der Situation nicht denselben Fehler begangen, oder dieselbe Entscheidung getroffen hätte.

So weit so gut.

Jedoch sind diese ganzen Informationen nur für meinen Kopf. Was bringt mir dieses Wissen? Im Moment wohl nichts, außer dass mir die gesamte Menschheit immer suspekter wird. Eins ist sicher: der Mensch agiert nie selbstlos. Es wird immer so gehandelt, dass man auch selbst was davon hat und darauf geachtet, das größte Tortenstück zu erwischen.

Die Abgründe des menschlichen Wesens. Dazu machte ich vor kurzem einen spannenden Test auf BBC, welcher auf der Basis einer Studie erstellt wurde: http://www.bbc.com/future/story/20151123-how-dark-is-your-personality . Jeder Mensch trägt dunkle Seiten in sich.

Nun frage ich mich, was ist wichtiger: die Zeit mit Menschen aus der Onlinewelt zu verbringen, oder mit real existierenden Menschen, die zeitgleich auch noch meine Kinder sind? Die Antwort dürfte recht einfach sein: Kinder. Warum tue ich es dann nicht? Weswegen ist die Onlinewelt so viel attraktiver für mich, obwohl es mich viel mehr überreizt? Mein Leben wäre so viel einfacher und vor allem auch mehr von innerlicher Ruhe geprägt, wenn ich dieses Smartphone einfach nicht hätte!

Hier wären wir wahrscheinlich beim Faktor Sucht angekommen. Können wir, kann ich überhaupt noch ohne Smartphone leben? Meine derzeitige Antwort: Nein. Ich möchte hierbei keine Ausflüchte für mich selbst suchen, da ich mich selbst belügen würde. Genauso wie ein Raucher der sagt, er könne jederzeit ohne Probleme mit dem Rauchen aufhören, aber aus diesen oder jenen Gründen möchte er es derzeit nicht. Der Mensch belügt sich gerne selbst um Fehlverhalten vor sich selbst rechtfertigen zu können.

Das Smartphone stiehlt uns die Zeit!

Vor kurzem gab es auf Twitter eine Diskussion was wichtiger sei, Gemeinschaft mit Menschen, oder das Innere des Menschen mit Nahrung zu füttern, wobei soziale Netzwerke hierbei eine große Rolle spielten. Da muss ich ganz ehrlich sagen, ich bevorzuge die Gespräche und den Austausch mit den Menschen Vorort, auch wenn diese nie den Tiefgang haben, wie so einige Gespräche im Netz. Das Internet, die sozialen Netzwerke, sollten ein Zusatzangebot für die Menschen, aber nicht die Hauptbezugsquelle für menschliche Interaktion sein.

Mein Onlineleben

Die Menschen, die ich online treffe.

In den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten durfte ich viele, viele interessante Gespräche über die sozialen Netzwerke führen mit Menschen, die sich auch, genauso wie ich, viel Gedanken um und über alles machen.

Nun stellte ich mir die Frage, ob vielleicht das Hauptnutzungsklientel der sozialen Netzwerke vielleicht nicht irgendwie alle gleich ticken? Ich meine damit jetzt keine Weltanschauungen oder privaten Dinge, sondern die Wesenszüge.

Ich nutze die sozialen Netzwerke sehr stark. Wohl zu stark, wenn man den ein oder anderen befragt. Aber ich würde es nicht so stark nutzen, wenn es niemand geben würde, der dort viel und ständig mit mir interagiert. Und die gibt es! Ich durfte inzwischen viele Menschen „kennen lernen“, die genauso viel über die sozialen Netzwerke kommunizieren wie ich. Wenn man dann ins Detail geht, merkt man, dass es in den meisten Menschen innen drin genauso ist, wie bei mir. Damit meine ich die Fragen über den Sinn des Lebens (wenn nicht schon gelöst), Unsicherheiten, Gedankengänge, Vorlieben, Abneigungen… usw

Da ich mich schon viel mit dem Thema Hochsensibilität befassen durfte, bin ich der Ansicht, dass viele aktive Social Media Nutzer hochsensibel sind, oder zumindest sensibel, und so ihren Weg gefunden haben, mit den wirren in ihrem Kopf umzugehen. Für mich war es mal ein Weg, meine Gedanken und Gefühle zu entwirren und es in gerade Bahnen zu lenken. Denn, wo sonst kann man seinen Gedanken und Gefühlen einfach so freien Lauf lassen? In einem direkten Gespräch ist man vom Gesprächspartner abhängig. Im Netz sitze nur ich allein vom dem Endgerät und tippe ein. Ich erwarte oft gar keine Antwort und wenn, dann möchte das Gegenüber antworten, weil ihn mein Geschriebenes anspricht. Positiv oder negativ.

Und doch wird es mir immer mal wieder zu viel. Zu viele Inputs von vielen verschiedenen Menschen, die ich verarbeiten muss und was ich einfach irgendwann nicht mehr schaffe.

Ich überlege mir derzeit, mal wieder eine Social Media Pause einzulegen. Machte ich schon öfter mal, jetzt jedoch nun schon länger nicht mehr. Meine ehemaligen Pausen bestanden darin, mich aus den Kanälen ganz löschen zu lassen. Mittlerweile benötige ich die Kanäle, um meine Blogs zu bewerben und daher wäre eine komplette Löschung wohl recht kontraproduktiv. Daher würde mein erster Schritt beinhalten, mal wieder alle Apps vom Smartphone zu löschen. Das machte ich zuletzt mit Instagram so, ich habe es nicht vermisst! Derzeit bin ich sehr viel auf Twitter unterwegs, es ist eine tolle Plattform, aber ich merke, wie es zu viel wird. Wenn ich mich dazu durchringen kann, wird die App wohl mal für kurz oder lang vom meinem Smartphone verschwinden.
Auf Facebook bin ich fast nicht mehr, auch aus dem Grund, da fast keine persönliche Interaktion mir „Freunden“ mehr stattfindet. Man hat zwar über 100 Freunde auf der Freundesliste, aber davon spricht man, wenn es hoch kommt, mit fünf regelmäßig. Das ist schade. Aber mittlerweile recht normal. Es lagert sich wohl alles immer mehr auf andere Plattformen aus.

Ich liebe die sozialen Netzwerke, aber irgendwann muss man sich auch mal wieder mehr auf das reale Leben konzentrieren, besser gesagt, das geht bei mir ziemlich unter. Es ist bequem einfach online gehen zu können, um mit Menschen zu reden, aber das Verhältnis muss stimmen. Die Menschen, die ich online treffe, kenne ich nicht persönlich. Die sind im Alltag nicht von Belang, unter Umständen werde ich 90% davon im realen Leben nie zu Gesicht bekommen. Es ist alles virtuell. Das birgt eine große Gefahr. Vereinsamung. Internetsucht. Soziale Verarmung. Da muss man sich selbst am Riemen reißen, um dem allem nicht zu verfallen.