Die Luft zum Atmen fehlt

In der letzten Zeit war irgendwie so viel los, sodass ich kaum Zeit fand durchzuatmen. Zuerst unsere Ehegeschichte mit unserer gemeinsamen Sexualität, die uns schon länger beschäftigt und mich persönlich belastet und dann natürlich noch das tägliche Familiengeschäft mit Kinder und sonstigen Aktivitäten, die mir einfach die Kraft rauben. Besonders die neun Wochen Sommerferien waren absolut nicht gut für meine innere Balance, viel Zeit für mich alleine blieb nicht- was ich dringend zum regenerieren benötige. Ohne Auszeiten für mich alleine fühle ich mich kraftlos und leer.

Wie ich in meinem Blogbeitrag über Christen und Sexualität schrieb, sortieren wir unsere gemeinsame Sexualität derzeit neu. Bei uns verhielt es sich so, dass mein Mann ein höheres Bedürfnis nach gemeinsamer Sexualität verspürte als ich und das wurde zum Problem. Über eine längere Zeit hinweg, wurde es zum zwischenmenschlichen Kampf bei uns. Er, der immer wieder um Sex anfragte und ich, die immer wieder sein Ansinnen ablehnte, aus Mangel an Lust. Ich hatte eine ganze Weile schlicht und ergreifend nicht die geringste Lust, mich mit meinem Mann körperlich zu vereinigen. Längere Zeit lang verspürte ich regelrecht Ekel davor und das war eine schlimme Zeit, für uns beide. Es war eine Zeit, in der ich innerlich mit Gott gerungen habe, warum er mir das mit der Sexualität antut, warum er dem Menschen die Sexualität überhaupt „geschenkt“ hat, wenn es doch so ein Krampf ist und ob er mich für irgendwas bestrafen wolle. Es kamen mir allerhand Theorien in den Kopf, wonach Gott uns bestrafen würde, da wir vor unserem Eheversprechen Sex hatten, oder weil wir uns selbstbefriedigt hatten, oder Pornos angeschaut haben und so weiter. Alle Schreckensgespinste, die wir aus unserer Jugend kannten, „was passiert, wenn man sich nicht an ‚Gottes Gebote‘ hält“, waren auf einmal gedanklich höchst präsent und machte mich fast wahnsinnig. Und unsere gemeinsame Sexualität wurde für mich zu einem Pflichtakt, welchen ich möglichst selten durchführen wollte. Wie ich nun im Nachhinein weiß, ist das absolut keine Seltenheit bei langjährig verheirateten Paaren, die zudem auch noch Eltern sind. Die Kinder stehen im Fokus und die eheliche Beziehung rückt in den Hintergrund, verkümmert.

Bevor wir Kinder hatten waren wir sexuell sehr aktiv. Ich liebte Sex! Ja wirklich, es war einfach wunderschön mit meinem Mann zu schlafen. Dann kamen die Kinder und die Lust und auch die Zeit, uns körperlich zu vereinigen, wurde immer weniger. In der anstrengenden Babyphase war die Lust bei meinem Mann auch nicht so stark vorhanden, wie er mir vor kurzem mitteilte, da unsere gesamte Energie in die Kinder ging. Unsere Kinder sind ziemliche Energiebündel und die Babyzeit war sehr anstrengend. Er hat, und tut es auch heute noch, immer versucht, mir möglichst viel abzunehmen, damit auch ich mal zur Ruhe kommen kann und dadurch war Sex schlicht und ergreifend eine Aktivität, die nicht mehr zur Anwendung kam, weil die Zeit dafür fehlte. Er ist ein sehr guter Ehemann und Vater, der grundsätzlich immer zuerst darauf sieht, dass es Frau und Kindern gut geht und danach kommt erst er und das möchte ich nicht ausnutzen.
Mittlerweile haben wir jedoch keine Babys mehr, wir können die Nächte (zumeist) wieder durchschlafen, und bei meinem Mann erwachte folgend das sexuelle Bedürfnis wieder zu neuem Leben. Bei mir hingegen nicht. Wegen mir, hätte es keinen Sex mehr gebraucht. Ich bin den ganzen Tag zu Hause bei den Kindern, für die Hauptkinderbetreuung zuständig, habe gefühlt den ganzen Tag die Kinder im Arm, entweder zum Trösten oder zum Mitfreuen und mein Bedürfnis nach körperlicher Nähe ist an den meisten Tagen komplett ausgeschöpft und wenn dann mein Mann am Abend kam, wollte ich meistens einfach nur noch Ruhe und Zeit für mich alleine. Ein Problem! Mein Mann fühlte sich von mir zurückgewiesen und ungeliebt.

Durch „Zufall“ schrieb ich einen Blogbeitrag über einen christlichen Sex-Onlineshop. Mein Mann war begeistert von dem Beitrag und fing an, den Onlineshop zu durchstöbern und fand dort zwei Buchempfehlungen über die christlich-eheliche Sexualität, die er sogleich bestellte. Er, der sonst Bücher lesen scheut, begann zu lesen und das mit großer Begeisterung. Diese Bücher möchte ich dann beizeiten vorstellen, aber erst muss ich sie auch noch lesen, was ich derzeit tue, besser gesagt, was ich versuche. Mir fällt die Konzentration darauf ehrlich gesagt sehr schwer.

Über Sex gesprochen haben wir schon immer und das oft lange und ausführlich. Wir schämen uns nicht voreinander, kennen unsere Phantasien. Wir haben uns über das Thema Sex kennengelernt. Sexualität war schon immer ein Hauptthema in unserer Beziehung und daher war und ist es ein großes Problem zwischen uns, dass es nicht mehr so wie „früher“ klappt. Und genau das versuchen wir nun zu bearbeiten. Mein Mann ist voller Euphorie und versucht jeden Tipp aus den Büchern umzusetzen, was mich jedoch wiederum überfordert. Ich bin jedoch auch langsam auf dem Weg der Besserung und sehe ein Licht am Ende des Horizontes. Es ist nichts unmöglich!

Mir fehlte einfach die Luft zum Atmen. Es prasselte alles auf mich ein und ich dachte eine Weile, ich muss ausreißen, damit ich das alles verarbeiten und bearbeiten kann. Einfach nur weg. Ich fühlte mich überfordert und hilflos und wusste leider auch nicht, an welchen Menschen ich mich in so einer Situation wenden kann. Meine Mutter, mit der ich sonst über alles spreche, geschieden und dadurch nicht die geeignete Ansprechpartnerin für mich und eigentlich hatte ich auch nicht unbedingt Lust mit ihr über unser Sexleben zu sprechen. Meine Schwiegereltern, die sonst sehr offen über alles sprechen, sind im dem Bereich der Sexualität überhaupt nicht ansprechbar. Mein Arzt, bei dem ich wegen meiner Schilddrüsenerkrankung in Behandlung bin und dem ich das Problem meiner sexuellen Unlust schilderte, sprach gleich von Psychopharmaka, was ich sogleich ablehnte, da ich kein gutes Gefühl dabei hatte.
Freunde? Habe ich nicht. Bekannte dafür jede Menge. Aber wem könnte ich mich anvertrauen? Mir fiel niemand ein. Also blieb nur noch das Internet, mit seiner Anonymität. Aber auch da erfuhr ich keine Hilfe. Ich zog andere Problemfälle magisch an, oder erntete Ablehnung: „Über so etwas spricht man nicht!“ Während dieser Zeit war die Verbindung zu Gott mein einziger Anker.
Mittlerweile kann ich es verstehen, wenn Paare sich in der intensiven Kinderzeit trennen, weil einfach gefühlt tausend Kräfte an einem zerren. Da kann die Beziehung davor noch so gut sein, auf einmal fühlt man sich dem allen nicht mehr gewachsen, bemerkt, dass man ein anderer Mensch geworden ist, der nichts mehr kontrollieren kann, sich selbst in Extremsituationen nicht mehr kontrollieren kann. Merkt, dass man selber sich verändert, anders reagiert als vorher, andere Meinungen zum Leben bildet, ja, das ganze Leben verändert sich!

Nun haben wir beide das Gefühl, dass Gott uns gerade zur rechten Zeit Hilfe geschickt hat, in Form von Literatur und über das uns mit Blogs und Videos, zu dem Thema. Wir sind nicht allein! Und genau das ist ein wunderschönes Gefühl für mich! Es gibt Hilfe, es gibt andere Menschen mit denselben Problemen und wenn man daran arbeitet, kann man diese Probleme lösen und wieder in Freude umwandeln!
Und noch was Positives, seitdem mein Mann die Bücher liest, ist auch er der Meinung, dass man öffentlich mehr über seine Sexualität sprechen sollte. Der Autor seines ersten Buches erzählt sehr locker und frei, auch über seine eigene Sexualität, und das hat ihm sehr geholfen, vieles zu verstehen. Ich muss das Buch noch lesen, daher kann ich dazu gar nicht viel sagen. Dieses sehr konservative Denken: „Darüber spricht man nicht!“, verursacht oft mehr Leid, als man sich vorstellen kann.

Die Autorin eines unserer Bücher in einem Fernsehgespräch:

Sexualität ist ein sehr wichtiges Bindemittel für die Ehe zwischen Mann und Frau! Ohne Sexualität ist es keine Ehe, allenfalls eine Freundschaft, aber dafür braucht man nicht verheiratet sein.

Gut, nun wisst auch ihr, was uns umtreibt. Wer mag, darf gerne für uns beten! Wir sind noch nicht am Ende unseres Aufarbeitens, aber auf einem guten Weg! Das ganze Leben ist eine Reise.

In der Ehe fest auf Gott sehen

Heute erzähle ich mal ein bisschen über uns und unsere Ehe. Ich versuche es so oberflächlich wie möglich zu halten, damit mein Mann nicht das Gefühl hat, ich gebe zu viel von uns preis, was er nicht mag. Da ich das verstehe, hoffe ich, es gelingt mir.

In unserer Ehe war und ist in den letzten Wochen, Monaten irgendwie der Wurm drin, es läuft irgendwas nicht rund. Wir sind beide in und mit uns unzufrieden. Mein Mann ist sehr unruhig und nicht in sich selbst ruhend, möchte endlich seinen Lebenstraum beginnen, was jedoch übernatürliches Eingreifen bedarf und ich bin unzufrieden mit mir selbst, mag mich nicht und mag somit auch niemand anders, was meinem Mann miteinschließt. Wie äußert sich das? Indem wir beide ein sehr unausgeglichenes Wesen an den Tag legen, was natürlich zu allererst die Kinder zu spüren bekamen und dann unsere Paarbeziehung.

Wenn mein Mann nicht weiterweiß klammert er sich sehr an mich, auch und vor allem körperlich, wenn ich Probleme mit mir selbst habe, dann entziehe ich mich allen Menschen, auch ihm. Das verursachte in der letzten Zeit einige Konflikte, die mit vielen Enttäuschungen einhergingen, da Erwartungen und Bedürfnisse nicht erfüllt, oder persönliche Grenzen überschritten wurden. Auch hörten wir eine Weile auf, wirklich miteinander zu sprechen, wie es in uns aussieht- ein Fehler! Es wurde alles immer verbissener, verbohrter und unterschwellig aggressiver, eine sehr unangenehme Atmosphäre!

Die vergangene Woche gingen wir es nun an und stellten uns unseren Problemen, Sorgen und Nöten und begannen langsam wieder miteinander zu beten und in der Bibel zu lesen, was uns schon länger abhandengekommen ist. Wir sind immer noch in der Trainingsphase und wir hoffen, dass wir wieder an den Punkt kommen, in dem wir den Glauben praktisch in unsere Ehe integrieren. Was viele weitere Probleme lösen kann. An einem Punkt sind wir uns nämlich einig: Der Teufel will unsere Verbindung zerstören. Er möchte, dass wir verzweifelt mit uns und unserem Leben sind, er möchte keine glücklichen Ehen, er möchte keine Menschen, die fest mit Gott verbunden sind, er möchte zerstören. Er möchte verzweifelte Menschen, die weder ein noch aus wissen.

Ich könnte noch mehr schreiben, wie sich das alles bei uns im Detail äußerte, aber das lasse ich für den Moment. Aber ich hinterlasse euch noch einen Tweet, den ich von einiger Zeit absetzte:

Und wenn man weiß, dass Kirche Gemeinschaft unter Christen bedeutet und eine Gemeinschaft auch aus zwei bis drei Personen bestehen kann, ist eine Ehe im Grunde genommen eine Kirche. Mann und Frau zusammen sind eine Einheit vor Gott und stehen gemeinsam für Gott ein. Quasi die kleine Zelle einer größeren Gemeinschaft und daher treffen die genannten drei Sündenkategorien auch auf die Ehe zu. Wir kämpfen viel mit der Kategorie Sex. Aber das, wird vielleicht irgendwann mal in einem extra Blogbeitrag behandelt, wenn wir Klarheit darüber erlangen durften. Aber bevor ihr jetzt die Stirn runzelt: nein, Sex ist natürlich keine Sünde! Wie damit jedoch umgegangen wird, das kann Sünde sein, oder besser gesagt, den Eintritt von Sünde im Leben begünstigen.

Wie ist es richtig mit den Kindern?

Ich bin gerade ein bisschen am hin- und herüberlegen bezüglich unserer Kindererziehung. Mir ist es neben dem Glauben an Gott, am Wichtigsten, meine Kinder zu starken Persönlichkeiten heranzuziehen, die Wissen was sie im Leben wollen, sich von niemand herumschubsen lassen und trotzdem jeden Menschen achten und gut behandeln. 

Das sind absolut tolle Ansätze und ich bzw. wir hoffen, dass wir dies wenigstens ein Stück weit hinbekommen, weil da wären natürlich noch unsere Einflüsse als Eltern. Wir sind selbst jemand. Jemand der erzogen worden ist, jemand der verletzt worden ist, jemand der seine Eigenheiten hat. Dies alles geben wir bewusst oder unterbewusst an unsere Kinder weiter.

Wir prägen durch unser Verhalten, unsere Sprache, unsere Freunde, die Umgebung in der wir Leben, unsere Kinder signifikant mit. Auch wenn wir es vielleicht gar nicht wollen und gewisse Eigenheiten versuchen, vor unseren Kindern zu verstecken.

Denke, den größten Fehler den man als Eltern machen kann ist der, dass man annimmt, die eigenen Kinder seien naiv, blöd und dumm und würde alles glauben was du ihnen als Erziehungsberechtigte/r erzählst. Man kann sich noch so gut verstecken, Fehler leugnen oder verbergen. Kinder finden ALLES heraus.

Besonders schwierig finde ich den Umgang von Eltern mit Süchten, die sie nicht auf ihre Kinder übertragen wollen. Ich meine, ich war selbst lange Jahre Raucherin, obwohl ich es mir einst geschworen hatte, nie damit zu beginnen. Mein Vater raucht, meine Brüder rauchen, meine Mutter hat geraucht, jedoch schon seit mindestens 30 Jahren nun nicht mehr. Zudem kommt in meiner Familie Alkoholismus vor, ebenso wie in der Familie meines Mannes. Das sind alles Süchte, die sind in der weiteren Familie vorhanden und man kann nicht abstreiten, dass die meisten Kinder, deren Eltern oder Großeltern Süchte haben, selbst zu diesem Suchtmittel greifen. Ich nenne das vom meinem Glaubenshintergrund her: Erbsünde. Und dies waren erst die legalen Drogen…

Ich hoffe und bete, dass ich nie mehr der aktiven Nikotinsucht verfalle, da ich meinen Kinder ein gutes Vorbild sein möchte. Aber ich weiß, ich bin süchtig und wenn ich nur mit einer Zigarette wieder anfange, beginnt der Teufelskreislauf von vorne.

Daher finde ich es sehr befremdlich, wenn Eltern ihren Kindern „verbieten“ Suchtmittel oder bestimmte Lebensmittel zu konsumieren, Schimpfwörter zu gebrauchen oder zu missbrauchen, andere zu schlagen mit Worten oder Taten, sich ungebührlich zu verhalten… Wenn sie selbst dies alles tun oder auch ihren Kindern antun, auch wenn sie vielleicht meinen, dies nicht vor den Kindern zu tun, ihnen also verheimlichen zu können/ wollen…. Fataler Fehler!

Man erinnere sich nur mal an die eigene Kindheit zurück: Konnten die Eltern was von mir verheimlichen oder verstecken? Bei mir war das nicht so. Irgendwann, je nach kognitiver Reife des Kindes, findet man alles heraus. Ob man dies nun will oder nicht…

Eure Kinder werden ganz sicher nicht besser als ihr selbst! Meine Kinder werden ganz sicher nicht besser als ich!

Ja, werdet ihr sagen: Logisch kann mein Kind besser werden als ich!

Stimmt, ja. Aber dann muss es sich irgendwann gegen euch entscheiden und für ein anderes Leben. Das wäre, zumindest für mich, wie ein Stich ins Herz.