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Ehegezänke

Zur Zeit haben wir einen Ehe-Durchhänger, was daran liegen könnte, dass mein Mann und ich komplett unterschiedlich im Bezug auf Internet und soziale Medien zu sprechen sind. Ich nutze es reichlich, er gar nicht und versteht folglich auch nicht, wenn man seine Zeit daran „verschwendet“.

Während ich also viel meiner Zeit in den sozialen Netzwerken verbringe, auch um gefühlt ständig meinen Hauptblog zu bewerben, ist eher eher der total geerdete Typ, der Handarbeit und tatkräftiges vorzieht. Was sonst kein Problem ist, da er den ganzen Tag beim arbeiten ist, wurde nun in der Familienferienzeit zum Problem, da er sich von mir vernachlässigt fühlt und eifersüchtig auf meine Internetkontakte ist. Eifersüchtig! Das gab es in unserer Ehe noch nie. Was ist da los?

Ich bin sehr auf Twitter aktiv und unterhalte mich dort mit den Menschen im wahrsten Sinne des Wortes über Gott und die Welt. Persönliches, Glaube und Politik sind die Hauptthemen und ja, es macht mir riesigen Spaß! Da es mir schon immer wichtig war und ist, dass mein Mann und ich keine Geheimnisse voneinander haben, erzähle ich ihm auch von meinen Internetkontakten und auch, worüber wir uns unterhalten. Nicht immer bis ins kleinste Detail, es ist meistens ein Kurzüberblick. Auch erzähle ich ihm, mit wem ich mich dort unterhalte. Es sind einige Männer 40+, mit denen ich mich sehr gerne unterhalte, da ich das Gefühl habe, die sind geistlich (glaubenstechnisch) auf derselben Wellenlänge wie ich sind. Meine konservativen Einstellungen führen bei Gleichaltrigen eher zu verächtlichen Worten, als zu konstruktiven Gesprächen. Mittlerweile las ich zu viel über diverse Dinge, um dem Zeitgeist zustimmen zu können. Ein Manko, denn mein Mann liest nicht gerne und demzufolge weiß er auch nur dann was mich beschäftigt, wenn ich einen Gedankengang zu Ende geführt habe und es ihm folgend erzähle. Den Prozess zum Ergebnis führe ich am Liebsten mit meinen Onlinekontakten, da mehrere Sichtweisen vorhanden und somit ein breiterer Überblick zu der jeweiligen Thematik, und ja, da sind einige Männer dabei (nicht nur!). Mit Männern konnte ich mich immer schon am Besten unterhalten und das wüsste mein Mann im Grunde, da ich einige platonische Freundschaften mit Männern hatte, als wir uns kennen lernten. Die sind zwar alle in den letzten Jahren verlaufen, aber eher aus dem Grund, da mich/ uns die Kinder voll in Beschlag nahmen und daher externe Kontakte aus Zeitgründen zur Mangelware wurden. Jetzt wären wir soweit, wieder vermehrt Freundschaften pflegen zu können, nun haben die Freunde kleine Kinder, also muss nochmals ein paar Jahre gewartet werden. Wir waren die ersten im Freundeskreis, die Kinder bekamen.

Was ist wichtiger, die Internetkontakte oder mein Mann? Da kann ich ganz klar antworten: Mein Mann! Er ist der Mensch, den ich geheiratet habe und versprach, mit ihm meinen Lebensweg zu gehen. In guten, sowie in schlechten Zeiten. Wir haben keine schlechte Zeit, uns geht es gut, bis auf ein paar zwischenmenschliche Diskrepanzen, was auf zu wenig Zeit für uns beide zurückzuführen ist.

Wir haben in den letzten sechs Jahren drei Kinder bekommen! Das war, zumindest für mich, ein mächtiger Schritt, da es mein Ruhebedürfnis immer wieder enorm stört und ich mir so andere Wege suchte, wie ich Abstand zu dem Ganzen nehmen kann. Ein Weg ist das Internet. War es schon immer, auch schon früher. Ich war in zahlreichen Chatrooms angemeldet und unterhielt mich dort anonym über meine Probleme, mit wildfremden Menschen. Eine Strategie, die ich wohl bis heute beibehielt, sehr zum Leidwesen des Mannes. „Ich wäre so sehr vom Internet abgelenkt, dass ich keinen Kopf mehr für die realen Dinge hätte, die ja wohl wichtiger wären“, so mein Mann. Da muss ich ihm recht geben, wenn mich was beschäftigt und ich darüber nachdenke, dann bin ich geistig komplett abwesend. Neben mir könnte ein Baum umfallen und ich würde es nicht bemerken. Zudem muss ich dann die Ergebnisse meiner Gedanken noch aufschreiben, das ist mir unglaublich wichtig und dauert dann zusätzlich noch eine ganze Weile.

Ja, ich scheine ein sehr komplizierter Fall zu sein…

Meine Familie ist mein ein und alles, aber das zeige ich wohl zu wenig. Ich würde niemals ohne meinen Mann und meine Kinder sein wollen! Aber ich möchte eben auch viel Ruhe und Zeit für mich und diese beiden Bedürfnisse gehen derzeit nicht zusammen. Werden sie das jemals? Mein Optimismus ist da nicht so hoch.

Mein derzeitiger größter Wunsch: Eine Woche nur ich, meine Bücher, der Laptop und Internet. Das weiß mein Mann auch und er fragte mich folgend, warum ich ihn dann geheiratet hätte, wenn ich ihn nicht bräuchte. Eine sehr legitime Frage, die ich meinem Partner wohl auch in so einer Situation stellen würde. Meine Antwort darauf: Ich brauche ihn, aber nicht so, wie er denkt, dass ich ihn brauche. Er ist ein Mann und Männer benötigen, wohl eher die körperlichen Liebesbeweise. Etwas, was ich derzeit nicht unbedingt bräuchte, ganz im Gegenteil, sehr zum Leidwesen des Gatten. Ich weiß, dass er mich liebt, wenn er einfach da ist und mir den Rücken freihält, was er auch oft tut, aber manchmal wird es ihm wohl zuviel, bzw. er möchte, dass ich ihm ebenfalls den Rücken freihalte, was mir jedoch widerstrebt. Ein Dilemma, mit noch ungewissem Ausgang.

Eins ist jedoch sicher: Eine Trennung steht nicht zur Debatte! Komme da was wolle, wir bleiben zusammen. Für jedes Problem gibt es eine Lösung. Unsere Lösung? Derzeit noch nicht in Sicht. Wir sind beides Menschen, die gerne produktiv sind. Ich am Laptop oder in meiner kleinen Hobbyschneiderwerkstatt und er im Garten oder in seiner Tischlerwerkstatt. Wir haben beide sehr zeitintensive Hobbies, bei denen, ja leider, die Kinder eher ein Störfaktor sind. Mein Mann hat da noch mehr Nerven als ich und integriert die Kinder in seine Tätigkeiten. Ich hingegen benötige absolute Ruhe, um mich konzentrieren zu können. Nicht sehr förderlich für den Familienalltag mit kleinen Kindern.

Ich bin das Problem, soviel steht fest. Nur, wie schaffe ich dem Abhilfe? Indem ich alle meine Hobbies aufgebe? Nein. Also muss ich es wohl zeitlich reduzieren.

Feste Arbeitszeiten für Blog und Schneiderwerkstatt. Wobei letzteres ohnehin in der letzten Zeit nicht viel Beachtung fand. Sonst tippe ich jeden Gedankenfetzen immer gleich ins Smartphone ein, oder setze mich an den Laptop. Das muss ich wohl einschränken. Nur, wie bekomme ich das hin? Wie kann ich diesen Drang einschränken, alles aufschreiben zu wollen, was mich beschäftigt? Ist das bereits eine Art Sucht? Es geht mir nicht darum, dass es möglichst viele Menschen lesen, jedenfalls auf diesem Blog hier nicht, sondern eher darum, meine Erlebnisse zu verarbeiten, um klare Gedanken fassen zu können. Ein Monolog.

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