Unbeschwerte Kindheit

Ich hatte, zusammen mit meinen drei Brüdern, wirklich eine vollkommen unbeschwerte Kindheit. Wir mussten uns um nichts Sorgen machen. Wir hatten genügend Platz zum Wohnen und zum Spielen. Relativ wenig Einschränkungen und konnten uns ausleben, so wie wir wollten.

Ich bin ein Dorfkind

Wir waren, sobald Schule und Hausaufgaben erledigt waren, nur draußen im Freien. Fernseher hatten wir keinen und Computer gab es damals bei uns auch noch nicht. Wenn es Essen gab, ging ein Schrei meiner Mutter durchs Dorf, hat alle beim Namen aufgezählt und das wir Essen kommen sollen. Dann wussten wir, jetzt muss es schnell gehen!

Freies Spielen

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Ansonsten sind wir den ganzen Tag durch die umliegenden Wiesen und Wälder gestreunt, haben uns Baumhäuser und Höhlen gebaut, haben Bachwanderungen unternommen- sind stundenlang durch die kleinen, umliegenden Bäche gewatet. Haben vor dem Haus auf der Straße unsere Skateboard- und Inlineskateparks aufgebaut. Autos kamen ohnehin äußerst selten und wenn dann, warteten die halt kurz, bis wir schnell alles abgebaut, nur um alles gleich wieder hinzustellen. Die Jugendlichen im Dorf haben mit ihren Autos oder Mopeds ihre Stunts auf der Dorfstraße geübt. Wir jüngeren Kinder waren ganz begeistert und haben mit leuchtenden Augen zugesehen. Auf dem Feld nebenan, wenn die Bauern den Mist ausgebracht, oder die Wiesen abgemäht haben, waren wir an vorderster Front mit dabei. Vor- und hinter dem Haus ein Brunnen, der im Sommer immer für eine Abkühlung gut war. Wasserschlachten, schnell in Brunnen springen zur Abkühlung- Traumhaft!

Und das Beste am Sommer- Kuhfladenwaten! Wenn die Kühe am Abend in Stall zum melken getrieben wurden, sind wir aufs Feld und durch die warmen Kuhfladen gewatet. Klingt ekelig, war aber richtig tolles Gefühl, wenn es im Sommer gegen Abend kühl wurde und man eigentlich langsam Schuhe anziehen sollte. Danach in Brunnen, Füße waschen und gut ist es gewesen. Tja… Sowas erlebt man als Stadtkind eher selten.
Bei der Nachbarin gab es regelmäßig Süßigkeiten und wir durften uns durch Rasen mähen oder kleinere Gartenarbeiten unser Taschengeld aufbessern. Nicht zu vergessen, die stundenlange Spaziergänge allein mit unserem Hund (ohne Handy!!!), ohne das mir irgendein Mensch begegnet ist. Traum!

Das ist das, was mich an der Stadt am meisten stört- die vielen Menschen. Man kann keinen Schritt außerhalb den eigenen vier Wänden tun, ohne das man irgendeinen anderen Menschen sieht. Ja, ich bin gerne alleine, sehr gerne sogar. Im Grunde bräuchte ich 80% vom Tag keinen anderen Menschen um mich. Ab und zu ist es ganz nett, wenn man jemand zum reden hat. Aber immer reden oder Interaktion mit anderen Menschen? Horror! Ok, ich hab meine Kinder jetzt ständig um mich herum. Aber, das ist eigen Fleisch und Blut… Daran gewöhnt man sich…. 😉

Aufsicht? Fehlanzeige. Es ist auch nie was Gröberes passiert. Und wenn man mal von einem Baum runtergefallen war, dann war es halt so, oder sich die Knie beim Inlineskaten aufgeschürft hat. Schnell ein Pflaster bei Mama geholt und weiter geht’s!

Das war vor gut 20 Jahren…

Dieses Leben wünsche ich mir für meine Kinder auch.

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Mein Mann kennt dieses Leben leider nur sehr begrenzt und meint immer, sowas gibt es doch heutzutage gar nicht mehr. Doch gibt es! Aber dafür müsste man bereit sein, hier wegzuziehen. Was ich lieber heute als morgen tun würde. Ich würde liebend gerne auf den „Luxus“ einer gut funktionierenden Infrastruktur verzichten, wenn ich dafür die Freiheit für mich und meine Kinder hätte. Heute kann man sich ohnehin fast alles, was man braucht, im Internet bestellen. Und sonst… Fährt man halt in die nächste Stadt zum einkaufen.

Dies hat meine Mutter einmal in der Woche gemacht. 20 km in die jeweils nächste Stadt. Gut, einen Dorfladen gab es im nächsten Dorf, aber da wurden eigentlich nur aller notwendigste Besorgungen gemacht, da zu teuer.
Meine Mutter war den ganzen Tag zu Hause, hat sich um Haus, Garten und uns Kinder gekümmert. Mein Vater war für Renovierungs-, Sanierungs- und Reparaturarbeiten (von denen es reichlich gab) und für den Lebensunterhalt zuständig.
Wir hatten nur ein Auto. Sprich, wir hatten nicht den Luxus, das unsere Mutter uns ständig überall hinkutschieren konnte (so wie das die „modernen“ Stadtmuttis tun). Wenn wir irgendwo hin wollten, dann mussten wir selber sehen, wie wir dahin kommen. Ein Fahrrad war unverzichtbar und 20 km mit dem Rad? Kein Problem! Heute höre ich mich innerlich schon hecheln, wenn ich nur daran denke. Als ich dann mit 16 meinen Rollerführerschein hatte, waren größere Distanzen noch leichter zu überwinden. Das Geld für Benzin und Versicherung verdiente ich mir durch einen Wochenendjob im Krankenhaus dazu. Ich ging ja noch zur Schule. Meine Ausbildung begann mit 18 und pünktlich zum 18ten war auch der Autoführerschein da und ein altes Auto für € 300,– war mein Start. Mein Vater hat mir dann noch gezeigt, wie man Reifen wechselt, wie man den Ölstand kontrolliert, wie man Reifen aufpumpt, wie man die Batterie wechselt etc. :„Eine Frau muss sowas können!“

Mein Vater hat mir allgemein viel Handwerkliches beigebracht: Bohrmaschine, Presslufthammer, Hammer, Kreissäge, Beil/ Axt, Motorsäge, Holzspalter, malen/ streichen. War alles bei uns zu Hause vorhanden und wir Kinder durften/ mussten ausprobieren und mithelfen.
Dafür hat das Hauswirtschaftliche bei mir arg gelitten. Das musste ich mir später mühsam alles selber beibringen, weil ich das als Kind nicht lernen wollte. Fand ich alles langweilig und war genervt von den Versuchen meiner Mutter, mir dies beizubringen. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg und jetzt… bin ich fast schon Profi.

Ich habe gelernt mich selbst zu versorgen und bin schon relativ früh selbstständig gewesen und darauf auch unglaublich stolz. Auch dank meiner Eltern, die mich bzw. uns nie verwöhnten. Wenn wir etwas wollten, mussten wir unser Taschengeld sparen oder es uns selbst verdienen. Zum Geburtstag oder zu Weihnachten gab es dann die notwendigen Dinge.
In die Schule kamen wir mit dem Bus. Kindergarten und Grundschule waren im nächsten Dorf. Die höheren Schulen in den nächst größeren Städten. Morgens musste man eine halbe Stunde für Transfer- und Busfahrten einrechnen. Die Eltern dort brachten niemand selbst in die Schule.

Ja… Ich liebe das Land- bzw Dorfleben. Dort hab ich mich frei gefühlt, eigenständig und selbstständig und ich hoffe und bete, das ich bzw. wir das unseren Kindern auch bald ermöglichen dürfen.

Ehegezänke

Zur Zeit haben wir einen Ehe-Durchhänger, was daran liegen könnte, dass mein Mann und ich komplett unterschiedlich im Bezug auf Internet und soziale Medien zu sprechen sind. Ich nutze es reichlich, er gar nicht und versteht folglich auch nicht, wenn man seine Zeit daran „verschwendet“.

Während ich also viel meiner Zeit in den sozialen Netzwerken verbringe, auch um gefühlt ständig meinen Hauptblog zu bewerben, ist eher eher der total geerdete Typ, der Handarbeit und tatkräftiges vorzieht. Was sonst kein Problem ist, da er den ganzen Tag beim arbeiten ist, wurde nun in der Familienferienzeit zum Problem, da er sich von mir vernachlässigt fühlt und eifersüchtig auf meine Internetkontakte ist. Eifersüchtig! Das gab es in unserer Ehe noch nie. Was ist da los?

Ich bin sehr auf Twitter aktiv und unterhalte mich dort mit den Menschen im wahrsten Sinne des Wortes über Gott und die Welt. Persönliches, Glaube und Politik sind die Hauptthemen und ja, es macht mir riesigen Spaß! Da es mir schon immer wichtig war und ist, dass mein Mann und ich keine Geheimnisse voneinander haben, erzähle ich ihm auch von meinen Internetkontakten und auch, worüber wir uns unterhalten. Nicht immer bis ins kleinste Detail, es ist meistens ein Kurzüberblick. Auch erzähle ich ihm, mit wem ich mich dort unterhalte. Es sind einige Männer 40+, mit denen ich mich sehr gerne unterhalte, da ich das Gefühl habe, die sind geistlich (glaubenstechnisch) auf derselben Wellenlänge wie ich sind. Meine konservativen Einstellungen führen bei Gleichaltrigen eher zu verächtlichen Worten, als zu konstruktiven Gesprächen. Mittlerweile las ich zu viel über diverse Dinge, um dem Zeitgeist zustimmen zu können. Ein Manko, denn mein Mann liest nicht gerne und demzufolge weiß er auch nur dann was mich beschäftigt, wenn ich einen Gedankengang zu Ende geführt habe und es ihm folgend erzähle. Den Prozess zum Ergebnis führe ich am Liebsten mit meinen Onlinekontakten, da mehrere Sichtweisen vorhanden und somit ein breiterer Überblick zu der jeweiligen Thematik, und ja, da sind einige Männer dabei (nicht nur!). Mit Männern konnte ich mich immer schon am Besten unterhalten und das wüsste mein Mann im Grunde, da ich einige platonische Freundschaften mit Männern hatte, als wir uns kennen lernten. Die sind zwar alle in den letzten Jahren verlaufen, aber eher aus dem Grund, da mich/ uns die Kinder voll in Beschlag nahmen und daher externe Kontakte aus Zeitgründen zur Mangelware wurden. Jetzt wären wir soweit, wieder vermehrt Freundschaften pflegen zu können, nun haben die Freunde kleine Kinder, also muss nochmals ein paar Jahre gewartet werden. Wir waren die ersten im Freundeskreis, die Kinder bekamen.

Was ist wichtiger, die Internetkontakte oder mein Mann? Da kann ich ganz klar antworten: Mein Mann! Er ist der Mensch, den ich geheiratet habe und versprach, mit ihm meinen Lebensweg zu gehen. In guten, sowie in schlechten Zeiten. Wir haben keine schlechte Zeit, uns geht es gut, bis auf ein paar zwischenmenschliche Diskrepanzen, was auf zu wenig Zeit für uns beide zurückzuführen ist.

Wir haben in den letzten sechs Jahren drei Kinder bekommen! Das war, zumindest für mich, ein mächtiger Schritt, da es mein Ruhebedürfnis immer wieder enorm stört und ich mir so andere Wege suchte, wie ich Abstand zu dem Ganzen nehmen kann. Ein Weg ist das Internet. War es schon immer, auch schon früher. Ich war in zahlreichen Chatrooms angemeldet und unterhielt mich dort anonym über meine Probleme, mit wildfremden Menschen. Eine Strategie, die ich wohl bis heute beibehielt, sehr zum Leidwesen des Mannes. „Ich wäre so sehr vom Internet abgelenkt, dass ich keinen Kopf mehr für die realen Dinge hätte, die ja wohl wichtiger wären“, so mein Mann. Da muss ich ihm recht geben, wenn mich was beschäftigt und ich darüber nachdenke, dann bin ich geistig komplett abwesend. Neben mir könnte ein Baum umfallen und ich würde es nicht bemerken. Zudem muss ich dann die Ergebnisse meiner Gedanken noch aufschreiben, das ist mir unglaublich wichtig und dauert dann zusätzlich noch eine ganze Weile.

Ja, ich scheine ein sehr komplizierter Fall zu sein…

Meine Familie ist mein ein und alles, aber das zeige ich wohl zu wenig. Ich würde niemals ohne meinen Mann und meine Kinder sein wollen! Aber ich möchte eben auch viel Ruhe und Zeit für mich und diese beiden Bedürfnisse gehen derzeit nicht zusammen. Werden sie das jemals? Mein Optimismus ist da nicht so hoch.

Mein derzeitiger größter Wunsch: Eine Woche nur ich, meine Bücher, der Laptop und Internet. Das weiß mein Mann auch und er fragte mich folgend, warum ich ihn dann geheiratet hätte, wenn ich ihn nicht bräuchte. Eine sehr legitime Frage, die ich meinem Partner wohl auch in so einer Situation stellen würde. Meine Antwort darauf: Ich brauche ihn, aber nicht so, wie er denkt, dass ich ihn brauche. Er ist ein Mann und Männer benötigen, wohl eher die körperlichen Liebesbeweise. Etwas, was ich derzeit nicht unbedingt bräuchte, ganz im Gegenteil, sehr zum Leidwesen des Gatten. Ich weiß, dass er mich liebt, wenn er einfach da ist und mir den Rücken freihält, was er auch oft tut, aber manchmal wird es ihm wohl zuviel, bzw. er möchte, dass ich ihm ebenfalls den Rücken freihalte, was mir jedoch widerstrebt. Ein Dilemma, mit noch ungewissem Ausgang.

Eins ist jedoch sicher: Eine Trennung steht nicht zur Debatte! Komme da was wolle, wir bleiben zusammen. Für jedes Problem gibt es eine Lösung. Unsere Lösung? Derzeit noch nicht in Sicht. Wir sind beides Menschen, die gerne produktiv sind. Ich am Laptop oder in meiner kleinen Hobbyschneiderwerkstatt und er im Garten oder in seiner Tischlerwerkstatt. Wir haben beide sehr zeitintensive Hobbies, bei denen, ja leider, die Kinder eher ein Störfaktor sind. Mein Mann hat da noch mehr Nerven als ich und integriert die Kinder in seine Tätigkeiten. Ich hingegen benötige absolute Ruhe, um mich konzentrieren zu können. Nicht sehr förderlich für den Familienalltag mit kleinen Kindern.

Ich bin das Problem, soviel steht fest. Nur, wie schaffe ich dem Abhilfe? Indem ich alle meine Hobbies aufgebe? Nein. Also muss ich es wohl zeitlich reduzieren.

Feste Arbeitszeiten für Blog und Schneiderwerkstatt. Wobei letzteres ohnehin in der letzten Zeit nicht viel Beachtung fand. Sonst tippe ich jeden Gedankenfetzen immer gleich ins Smartphone ein, oder setze mich an den Laptop. Das muss ich wohl einschränken. Nur, wie bekomme ich das hin? Wie kann ich diesen Drang einschränken, alles aufschreiben zu wollen, was mich beschäftigt? Ist das bereits eine Art Sucht? Es geht mir nicht darum, dass es möglichst viele Menschen lesen, jedenfalls auf diesem Blog hier nicht, sondern eher darum, meine Erlebnisse zu verarbeiten, um klare Gedanken fassen zu können. Ein Monolog.