Einmal Raucher, immer Raucher.

Lange Jahre war ich starke Raucherin, obwohl ich mich als Kind vor dem Raucheratem meines Vaters ekelte. Wie es dazu kam, dass ich trotzdem damit begann? Weil ich als junge Frau so doof war und dachte, meinen Schwarm, der ebenfalls rauchte, damit beeindrucken zu können.

Schön blöd.

Mein Beruf in der Pflege war dann auch noch sehr förderlich für diese Sucht, da wahrscheinlich 70% der Pflegekräfte rauchten, dazumal. Vermutlich ist es heute auch noch so. Rauchen wird als Stressabbau gesehen und als Belohnung für sich selbst.

Also rauchte ich. Zu Spitzenzeiten waren es zwei Schachteln am Tag, bzw. in der Nacht. Es war meine Nachtschichtzeit mit Anfang 20, gab gutes Geld! Und Geld benötigte ich dazumal viel, auch um meine Sucht finanzieren zu können, was sage und schreibe rund € 300,– im Monat ausmachte. Bei € 1.200,– Grundgehalt direkt nach der Ausbildung, ein ordentlicher Batzen Geld.

Und so rauchte und rauchte und rauchte ich. Mein Mann lernte mich auch noch als Raucherin kennen und obwohl es ihn störte, nahm er mich so wie ich bin. Erst als ich mit meinem ersten Kind schwanger war, als ich den positiven Test in der Hand hatte, hörte ich auf. War auch immer mein selbsterklärtes Ziel: „Wenn ich schwanger werde, höre ich auf!“

Die erste Zeit war wirklich sehr hart für mich, vor allem, da in dem Altenheim in dem ich dazumal arbeitete, die Bewohner in ihren Zimmern rauchen durften und ich somit ständig den Geruch in der Nase hatte. Ab und an bin ich schwach geworden, auch da es normal war, mit den Bewohnern in den Zimmern zu rauchen. Für Raucher war dieses Altenheim ein Schlaraffenland! Und nein, das war nicht in Deutschland, dort wäre sowas aus Brandschutzgründen verboten.

Nun gut, aber ich schaffte es. Musste! Ich wollte meinem Kind nicht schaden.

Als der Herr Sohnemann in etwa ein Jahr alt war und ich abgestillt hatte, packte mich die Lust an den Rauchwaren wieder, leider. Ich fing mit dem Mist wieder an, bis zur zweiten Schwangerschaft. Da die dritte Schwangerschaft dann recht bald darauf folgte, hatte ich gar keine Zeit mehr, wieder mit dem Rauchen zu beginnen. So ein Glück für mich! Und Glück für meinen Mann.

Seitdem rührte ich keine Zigarette mehr an, bis vor ein paar Tagen.

Es wurde eine Kindergeburtstagsparty vom Nachbarskind im Garten ausgerichtet, unsere Kinder waren ebenfalls mit eingeladen und für Erwachsenengetränke war auch reichlich gesorgt. Ihr wisst, was ich meine. Irgendwann, nach ein paar Gläsern Prosecco, hatte ich Lust auf eine Zigarette. Alkohol und Zigaretten, eine Kombination, die für mich immer zusammengehörte. Als alle Gäste dann weg waren, fragte ich meine Nachbarin, ob ich mir eine Zigarette nehmen darf. Und so zündete ich mir meine erste Zigarette nach drei Jahren an. Es schmeckte! Meinem Mann gab ich auch noch ein paar Paffer ab, der schon immer nur für den Genuss rauchen konnte.

Danach dachte ich mir: Ok…! War das jetzt wirklich so gut und durchdacht von mir? Weil, einmal süchtig, immer süchtig. Einmal Raucher, immer Raucher.

Am nächsten Morgen hat mir der ganze Rachen gekratzt. Unangenehm! Ganz klar von der Zigarette. Ich war total gerädert, woran der Alkohol natürlich auch seine Schuld hatte, seitdem ich Mama bin, vertrage ich keinen Alkohol mehr, aber das unangenehme Gefühl in Hals und Rachen kam ganz eindeutig von der Zigarette.

Die Nikotinsucht ist in erster Linie keine körperliche Sucht, wie das bei Alkohol der Fall ist, es ist eine psychische Sache. Das Nikotin hat der Körper nach ein bis zwei Tagen ausgeschieden, aber der Kopf, das Gehirn, verlangt noch lange danach, da es die Belohnungsrezeptoren befriedigt. Man redet sich ein, sich damit was Gutes zu tun: „Boah, war das ein stressiger Tag! Jetzt erstmal eine rauchen. Oh, der Alkohol schmeckt so gut und es ist so gemütlich! Dazu passt nun perfekt eine Zigarette.“ Oder auch die Gewohnheit, was für mich persönlich der größte Faktor war:
Pause, Zigarette an.
Kaffee trinken, Zigarette an.
Mit Freunden gemütlich zusammen sitzen, Zigarette an.
Stressiger Tag gehabt, Zigarette an.
Im Sommer raus sitzen, Zigarette an.
Langeweile? Zigarette an.
Werbepause zwischen dem Spielfilm: Zigarette an.

Gut, dass ich das überwinden durfte! Und nein, mich macht nun keine weitere Zigarette an. Ganz im Gegenteil.

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