Streitthema Erziehung

Ich bin ja immer hin- und hergerissen, ob ich lachen oder weinen soll, bei den heutigen Erziehungsmethoden und ihren vehementen BefürworterInnen. Meistens Mütter mit eigenem Blog oder eben diese Instagram Mütter mit den perfekt durchgestylten Profilen.

Ich schüttle immer nur den Kopf. Was ist das heute nur? Ist der sogenannte gesunde Menschenverstand, die Bodenständigkeit, ausgestorben? Ach ja, das darf man ja gar nicht mehr sagen, dass man sich selbst so bezeichnet, denn dann ist man in diversen Gesellschaftsschichten ohnehin unten durch. Rääächts ist man, wenn man anderen Dingen, wie Werte vermitteln und eben dem Konstrukt traditionelle Familie als Kernelement einer funktionierenden Gesellschaft, den Vorrang gibt.

Von wegen, wer so etwas sagt, hat nicht verstanden worum es geht, oder will nicht kapieren, worum es geht. Oh ihr lieben Leute, ich weiß ganz genau worum es geht und ich bin absolut nicht damit einverstanden! Einfach weil es oft so ein Irrsinn ist.

Ich schüttle immer noch ungläubig den Kopf, über die Mutter, die mir weismachen wollte, dass ich Gewalt anwende, wenn ich mein Kind aufs Zimmer schicke. Ich kann es nicht fassen, wie weit es inzwischen gekommen und wie viele Mütter ihr beigepflichtet haben. Was haben die alle geschluckt? Gut, das war jetzt gemein, denn es sind meisten vehemente Verfechterinnen der bedürfnisorientierten Erziehung, die ich in vielen Teilen gut finde, aber alles für mich einfach nicht umsetzbar ist. Ok, ehrlich gesagt, weiß ich nur das darüber, was andere mir erzählt haben, selber damit beschäftigt, was das wirklich bedeutet, habe ich noch nie. Es ist auch gar kein Bedürfnis dafür vorhanden.

Was für mich zählt ist, dass das Sozialgefüge Familie funktioniert. Denn dies finde ich die beste Vorbereitung auf das Leben. In einer Familie mit Geschwistern kann man streiten, schreien, lieben, lachen, weinen, aufeinander böse sein, sich wieder vertragen. Man gehört zusammen, komme da was wolle. Bindung leben. Liebe leben. Beziehung leben. Da bringt es nichts, wenn man nach irgendwelchen Konzepten geht, welche von Menschen erfunden worden sind. Es mag für viele funktionieren, aber eben nicht für alle.

Es gibt keinen einheitlichen Leitfaden für die Kindererziehung, auch wenn ich den oft gerne hätte. Ein Handbuch in dem Schritt für Schritt steht, was man wann tun soll. Nicht umsonst boomen diese ganzen Erziehungsratgeber und Bücher die zu Bestsellern werden, weil das alle Eltern irgendwie wollen. Aber ich sehe darin die Gefahr, dass man sein Hirn dabei ausschaltet und nur noch auf das hört, was in so einem Buch steht. Ob das mit den eigenen Kindern machbar ist, ist erst einmal irrelevant. Man versucht es, ist frustriert, bis man eben herausfindet, dass es für die eigenen Situation nicht passt. Und dann kommt das nächste Buch.

Mein Rat an alle, die frustriert sind: Bücher zur Seite legen, keine Webseiten oder Profile mit Erziehungstipps mehr lesen, das eigenen Gehirn einschalten und einfach mit den Kindern so interagieren, wie man selbst gerne behandelt werden wollen würde. Allein das ist nämlich schon schwer.

Mamastress

Zur Zeit ist irgendwie der Wurm drin, ich komme gefühlt zu nichts mehr. Meine Jüngste ist gerade in einem Alter, in dem sie ständig Betreuung benötigt, der Mittlere hängt auch noch sehr an mir und daneben noch der Haushalt, der auch nicht wenig Arbeit macht. Zusätzlich noch meine Gedankenwelt und diese verflixte Wetterfühligkeit, die mich in der letzten Zeit zum Aspirinjunkie werden ließ. Mein Mann äußerte sich schon besorgt, da ich so oft Schmerzmittel nehme, aber ohne halte ich den Tag mit den Kids nicht aus. Ich habe ständig zwei Kinder zu Hause und für benötige ich Nerven, viel Nerven. Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Die Tage ist es sehr warm draußen, was herrlich ist, da ich die Kinder endlich nicht mehr anziehen muss, also schon anziehen, aber halt nicht so viel. Wenn nackig, auch nicht so schlimm. Sie erkälten sich nun deswegen nicht und somit braucht man sich keine Sorgen machen. Die Terrassentür steht den ganzen Tag sperrangelweit offen und die Kinder können und dürfen raus- und reinkommen, wie es ihnen beliebt. Der Garten ist umzäunt und die Kinder können eigentlich nicht alleine raus. Die Jüngste wenigstens nicht, der Große weiß leider inzwischen, wie man das Gartentor öffnet. Aber, das ist Freiheit! Ich bin gottfroh, dass meine Kinder so aufwachsen dürfen, trotz dessen wir eigentlich in einer Stadt wohnen.

Am Nachmittag ist der Große dann wieder da und die Jungs sind oft am Streiten. Irgendwann weiß ich mir keinen Rat mehr und schreie mit. Warum können die nicht einmal normal und ruhig miteinander spielen? Nein, es wird gestritten was das Zeug hält. Mittlerweile wehrt sich der Große ziemlich heftig. Er ließ sich eine ganze Weile viel von seinem kleinen Bruder gefallen, aber jetzt reicht es ihm wohl. Die Watschn fallen am laufenden Band, aber der Kleine lernt es nicht und provoziert immer weiter. Ich kann soviel schimpfen wie ich möchte, es bringt nichts. Wenn ich Verständnis zeige und frage, warum er das tut, heißt es: „Weißt Mama, ich kann einfach nicht anders! Der nervt mich! Der macht mir alles kaputt!“ Was soll man darauf noch antworten? Und wenn sie irgendwas tun sollen, wie Zimmer aufräumen, werden die Hände vor dem Körper verschränkt und „Nein!“ gerufen, oder „Mag ich nicht, das ist langweilig!“. Irgendwann ist da halt dann mal bei uns die Luft raus und Mama oder auch Papa am Abend, werden grantig.

Wenn der Papa am Abend dann endlich heimkommt ist die Freude groß und alle springen zu ihm. Wie ich schon so oft schrieb, das ist für mich die schönste Zeit, aber meinem Mann wird es halt auch dann mal zu viel. Er liebt seine Kinder, aber wenn alle Drei auf einmal was von ihm wollen und er müde vom arbeiten ist, reagiert auch er genervt. Logischerweise.

Manchmal schicke ich ein Gebet nach oben, dass die Kinder doch bitte ganz schnell groß werden sollen, damit wir wieder mehr Ruhe und Zeit für uns haben. Im nächsten Moment schäme ich mich für diese Gedanken, da ich meine Kinder natürlich über alles liebe und die Zeit mit ihnen genieße. Die Zeit kommt nie wieder zurück! Ich habe als Mutter und Hausfrau viele Privilegien, die ich ohne Kinder nicht hätte! Ich muss es mehr genießen lernen, trotz allem Stress. Oft keine leichte Aufgabe.

In der Ruhe liegt die Kraft.