Umbruch

Zur Zeit ist in mir eine Umbruchphase. Eine Zeit der Neuorientierung. Der aufmerksame Leser meines Hauptblogs wird es vielleicht bemerkt haben, dass ich in den letzten Wochen nichts Neues mehr von mir veröffentlicht habe, sondern nur meine Gastautoren zu Wort kommen ließ, oder alte Beiträge neu auflegte. Ich bin derzeit innerlich hin- und hergerissen. Woran das genau liegt, kann ich nicht einmal genau benennen und möchte ich in diesem Beitrag erörtern. Aber wahrscheinlich liegt es an meinem ständigen Ringen nach mehr Zeit für mich persönlich, was bedeutet, dass Mann und Kinder sich in manchen Situationen vernachlässigt fühlen.

In den letzten Wochen hatten mein Mann und ich viele Diskussionen. Wir sind kein Paar, welches lautstark streitet oder sich anschreit, sondern es kommen immer wieder kleine Spitzen und einer ist dann eingeschnappt, bis man ein paar Tage später drüber spricht. Und da muss ich mich selbst belasten, bin ich in der letzten Zeit diejenige, die die meisten Spitzen loslässt. Was zur Folge hatte, bis wir es gestern Abend klären konnten, dass mein Mann Angst bekam, ich würde ihn verlassen. Diese Ängste hat er öfter und es ist sehr anstrengend für mich, ihm immer und immer wieder verständlich zu machen, dass ich ihn liebe und absolut keinen Grund sehe, ihn zu verlassen.
Ich erklärte ihm, dass ich schlicht und ergreifend keine Lust habe, ständig für alle, und da ist er mit eingeschlossen, das Wohlfühlbarometer zu sein. Zuerst kommen für mich die Kinder, weil sie einfach in einem Alter sind, in dem die direkte Beziehung zu den Eltern noch enorm wichtig ist. Bei unserem Ältesten lässt es jetzt langsam nach, aber die beiden Kleinen „klammern“ noch enorm. Was altersentsprechend absolut normal ist, wovon ich jedoch vollkommen überreizt bin, was daran liegt, dass ich unter der Woche alleine für alles verantwortlich bin. Der Mann ist beim arbeiten und wenn die Kinder etwas bedrückt, sie weinen, sie Schmerzen haben, sie Trost benötigen, eine Umarmung brauchen… bin ich ich da und ich tue das gerne! Ich liebe meine Kinder! Allerdings habe ich dann am Abend keinen Elan mehr, meinen Mann auch noch „Liebe“ zu schenken. Ich bin schlicht und ergreifend „überliebt“ (Das ist meine Twitter-Wortneuschöpfung).

Herrlich, diese bildhafte Ruhe! Bild von vergangenem Sommer- Urlaub im Tirol

Am Abend, wenn mein Mann heimkommt, stürzen sich die Kinder auf ihn. Und ich… atme einmal tief ein und freue mich, dass ich nicht mehr alleine für alle verantwortlich bin. Mein Mittlerer heult mittlerweile jeden Tag seinem Papa hinterher und versteht nicht, warum er zum arbeiten gehen muss- anstrengend. Der Papa ist seine Hauptbezugsperson.
Bis wir dann zu Abend gegessen haben, die Kinder zur Ruhe gekommen, im Bett liegen und Schlafbereitschaft sind, vergehen dann noch etliche Stunden. Bis dahin mag ich nichts mehr hören oder sehen. Mich nur noch mit mir beschäftigen. Entweder stumpfsinnig einen Film ansehen, oder am PC irgendwie „Tetris“ u.ä. spielen. Manchmal tippe ich auch noch eine Blogidee ein und unterhalte mich mit den Menschen auf Social Media. Das ist auch ein Phänomen, welches ich nicht verstehe. Ich finde es entspannender, mich mit Menschen aus dem Netz zu unterhalten, als mit meinem Mann auf der Couch zu reden, wahrscheinlich, weil diese nichts von mir verlangen.

Mein Mann ist ein typischer Macher, was mir und der Familie sehr zu Gute kommt. Wenn er was sagt, tut er es auch. Das ist ihm auch sehr wichtig. Er mag keine Menschen, die immer nur reden, aber nichts tun. Was allerdings den Nachteil hat, dass er ständig unter Strom steht und sich kaum Ruhepausen gönnt. Einfach nur so auf dem Sofa sitzen und stumpfsinnig einen Film kucken? Kann ich mit ihm leider nicht tun. Er möchte dann reden, oder sonstige diverse Dinge (…) tun. Das stört mich massivst! Und das weiß er auch, aber er ist halt auch nur ein Mensch und kann nicht ohne weiteres aus seiner Haut. Das ist immer wieder ein Diskussionsthema bei uns. Zudem versteht er überhaupt nicht, wie man so viel Zeit mit dem PC/ Social Media verbringen kann. Für ihn ist das Zeitverschwendung. Das Internet nutzt er nur, wenn es ihm nutzt, im Sinne von Arbeitserleichterung. Arbeit und Produktivsein hat bei ihm einen sehr hohen Stellenwert. Ich hingegen gönne mir gerne Ruhe. Das kann er nicht verstehen. Ich bin ein sehr ruhe liebender Mensch und seitdem ich mich mit dem Thema Hochsensibilität befassen durfte, ist mir auch klar, warum ich so fühle und agiere.

Und so ist in den letzten Wochen und Monaten innen drin viel Chaos vorhanden. Mitten drin natürlich unser zentrales Ehe-Thema: Sein Zukunftstraum, der Bauernhof. Mein Mann überlegt sich derzeit, ob es mit mir wirklich realisierbar ist. Ich sage ganz klar: Derzeit nicht! Ich fühle mich zur Zeit dazu nicht in der Lage. Ich bin mit meinen Tagesgeschäften mehr als ausgelastet. Es nagt an mir, dass ich vielleicht nicht die Frau bin, die er hätte bekommen sollen. Allerdings ist er selbst schon seit Jahren verunsichert, ob es wirklich der Plan für sein Leben ist. Wir hängen gerade beide sehr in den Seilen und wissen nicht vor und nicht zurück.

Ich hätte gerne endlich den einen Platz für unser Leben. Wenn ich wissen würde, wir bleiben fix hier an diesem Ort, würde ich mich gerne mehr einbringen. Mich engagieren. Aber ich sehe bei dieser unklaren Lage keinen Sinn dahinter. Ja, es ist eine Schutzmaßnahme. Ich weiß. Aber ich bin nun mal vorsichtig mit neuen Bekanntschaften. Ich bin kein Mensch, der schnell neue Freundschaften schließt.

Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis ich mir wirklich im Klaren bin, wohin meine Reise geht. Solche Situationen hatte ich schon öfter im Leben, aber jetzt schließt es eben auch drei Kinder und einen Mann mit ein. Da ist es schwieriger Entscheidungen zu treffen, weil man nicht mehr nur für sich selber entscheidet. Der Auslöser für das Ganze? Ich denke, das alles hat schon im vergangenen Herbst begonnen, als wir uns dann wirklich sicher waren, keine weiteren Kinder mehr zu bekommen. Jetzt ist die Zeit „nach den Kindern“ angebrochen. Davor war es immer noch in der Schwebe, ob noch ein weiteres Kind und somit weitermachen wie bisher. Der in den letzten Jahren gewohnte Gang ist jetzt unterbrochen und wir gehen einen neuen Weg, was natürlich eine Umstellung bedeutet und eine unsichere Zukunft. Wir hoffen und beten, dass wir bald wissen, wohin unsere Reise geht, damit wieder etwas Ruhe einkehrt. Ruhe, die ich dringendst benötigen würde, auch, um wieder klare Gedanken fassen zu können.

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Posted by Anni Side

Ich bin eine bald fast Mittdreißigerin, die gerne schreibt. Über ihr Leben, über das Leben der anderen und über ihren Glauben.

Das Leben ist schön!

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